Politik mit dem Gashahn

Abgelegt in Politik | wong it! von doku am 19 November 2007

Das Szenario war minutiös geplant: Die Kameras des russischen Fernsehens übertrugen live, als Russland seine Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrsmorgen 2006 stoppte. Der so genannte Gaskrieg erschütterte die Märkte in ganz Europa. Moskaus Spiel mit dem Rohstoff wurde weltweit als politische Erpressung gedeutet. Der Chef des russischen Staatskonzerns Alexej Miller bezichtigte die Ukraine des Gasdiebstahls. Die ukrainische Revolutionsikone Julia Timoschenko spricht noch heute von Energieterrorismus.

Allerdings wollen die Offiziellen von Gasprom und der damaligen ukrainischen Regierung inzwischen nichts mehr von einem Lieferstopp wissen. Und in der ukrainischen Gasübernahmestation Sumi soll es in keiner der drei russischen Leitungen auch nur den geringsten Druckabfall gegeben haben. Offenbar war der ganze Gaskrieg nichts anderes als eine große Propagandashow mit Vorteilen für beide Seiten. Gasprom konnte den Gaspreis von 45 auf inzwischen 135 Dollar für 1.000 Kubikmeter anheben. Und in der Ukraine konnte man auf den “bösen Nachbarn” zeigen, der den Hahn zudreht.

Die Dokumentation versucht zu zeigen, was sich hinter der Propagandashow verbirgt. Einerseits können die Preiserhöhungen zu ernsthaften wirtschaftlichen und sozialen Problemen in der Ukraine führen. Kein Land verbraucht im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt mehr Gas als die Ukrainer. Andererseits ist die Ukraine Haupttransitland für russisches Gas nach Westeuropa. Jeder russisch-ukrainische Streit kann direkte Auswirkungen auf die Gasversorgung in Westeuropa haben.

Größe: 350 MB (xvid) | Dauer: 00:45:00 |

Eine Rezension schreiben

Ähnliche Dokumentationen