Geheimes Russland (1/6) - Nowaja Semlja

Abgelegt in Politik | wong it! von doku am 25 Februar 2006

Nowaja Semlja ist Russlands atomare Testinsel im Eismeer. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft spähen Augen und Ohren von Armee und KGB nach unerwünschten Eindringlingen. Die Atominsel gibt es offiziell gar nicht. Auch die Soldaten, die hier dienten, hat es nie gegeben. Jewgenij Galagut zum Beispiel. Direkt aus dem Waisenhaus war Jewgenij 1961 in die Armee gesteckt worden, für zwei Jahre zu den Atomsoldaten nach Nowaja Semlja. Als Jewgenij vor einigen Jahren seine Pension forderte, verlangten die Beamten erst einmal den Nachweis, dass er tatsächlich auf Nowaja Semlja gedient hatte. Dabei wussten sie, dass die Unterlagen über die geheimen Einheiten, die um 1960 dort stationiert waren, vernichtet worden waren. Damals wurde hemmungslos über der Erde getestet, ohne Bedenken wegen der radioaktiven Verseuchung für die Menschen und die Umwelt. Seit acht Jahren ist Jewgenij auf der Suche nach sich selbst im Dschungel der Armee-Bürokratie. Bisher vergeblich: die 35 Männer seiner Einheit, die an über 80 Atomtests beteiligt waren, hat es nie gegeben. Das einzige Zeugnis seiner Dienstzeit ist ein Gruppenfoto aus dem Jahre 1962. Jewgenij zeigt es allen, die mit Nowaja Semlja zu tun hatten. Er hofft, so einen der alten Kameraden wiederzufinden, der ihm helfen soll, zu seinem Recht zu kommen. Der Film zeigt die Geheimnisse von Nowaja Semlja: die strengbewachten Stützpunkte Sewernyj und Bieluschje, das Testgelände, Aufnahmen der Armee von den Atomversuchen. Archivbilder, die westliche Zuschauer noch nie gesehen haben. Und er zeigt Nowaja Semlja heute. Bilder, die kein ziviles Fernsehteam bisher drehen durfte: Die Luftüberwachungszentrale der Grenzpolizei, den verlassenen Stützpunkt Russanovo am Rande des Testgeländes, reihenweise Atommüll in rostenden Tonnen. In zwanzig oder dreißig Jahren werde die ÖkoBombe explodiere, sagt ein Zeuge. Es ist unser Geschenk für die nächste Generation, ein spätes Kind des Kalten Krieges.

Größe: 351 MB (DivX) | Dauer: 00:43:21

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